Mikropausen

Wie Führungskräfte im Alltagsdruck wieder Klarheit gewinnen

23.10.2026
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Der Druck nimmt nicht ab

Digitalisierung ist eine großartige Sache – und gleichzeitig prasselt es auf uns ein. Immer neue Kanäle, über die Nachrichten und Informationen hereinkommen. Ich erlebe das selbst, und ich höre es von vielen Führungskräften: Den ganzen Tag zugeballert, kaum Zeit zum Atmen, dazu eine Kollegin oder ein Kollege, der gerade mehr Aufmerksamkeit braucht. Und am Ende des Tages die Frage: Was habe ich eigentlich wirklich geschafft?

Vor einigen Jahren war ich in den USA an einer riesigen Wanderdüne. Hinunterzurennen hat großen Spaß gemacht. Der Weg wieder hinauf war ermüdend: zwei Schritte vor, einer zurück. Genau so fühlt sich für viele der Führungsalltag an – emotionaler Druck, eine Arbeitslast, die langsam ans Limit kommt.

Die Frage, die wir uns gestellt haben: Wie kann ich trotz Alltagsdruck meinen Bereich wirklich gestalten? Wie schaffe ich immer wieder Momente für mehr Klarheit – auch wenn es stürmt?

Was eine Mikropause ist

Eine Mikropause heißt: den Alltag kurz unterbrechen und bewusst Abstand nehmen. Nicht, um auszusteigen, sondern um die Aufmerksamkeit neu auszurichten. Was könnte mir jetzt helfen? Brauche ich vielleicht doch eine längere Pause? Und was ist – mit Kraft und Fokus – der nächste Schritt?

Ich erlebe häufig das Gegenteil: Ein Meeting endet, das nächste beginnt, man geht einfach weiter. Mikropausen bringen mehr Leben ins Arbeiten. Ich unterscheide dabei zwei Ebenen: die ganz persönlichen Mikropausen und die Mikropausen im eigenen Team.

Vier persönliche Mikropausen

 

  1. Die Tasse Kaffee bewusst trinken. Wenn tausend Dinge durch den Kopf gehen und der Druck steigt, helfen schon wenige Minuten. Hier hilft ein Ansatz aus der Meditation: Sich auf ein Fokuswort wie „Ruhe“ oder „Danke“ blendet das Stimmengewirr im Kopf aus und hilft, die Gedanken zu sortieren. Die Tasse Kaffee wird zum Anlass, kurz innezuhalten, den Sturm im Kopf zu beruhigen und wieder klarer nach vorne zu sehen.
  2. Der bewusste Start in den Tag. Die To-do-Liste zeigt morgens 15 oder 20 Punkte. Wer alle vor sich sieht, ist schon wieder erschlagen. Die Frage lautet stattdessen: Welche ein, zwei oder drei Themen müssen heute zwingend passieren, sonst fallen sie mir auf die Füße? Vielleicht schaffe ich auch zehn. Aber ich führe mich selbst, statt mich von den wilden Anforderungen treiben zu lassen. Das Gleiche gilt für den Abschluss: Wie war der Tag? Ein paar Minuten auf dem Nachhauseweg oder auf dem Weg zur Bahn – eine Gewohnheit, die ausrichtet und stärkt.
  3. Bewusste Fokuszeit. Eine Tagebuchstudie aus Deutschland (Studie Arbeitsunterbrechungen – Next Work Innovation) mit Menschen in wissensintensiven Berufen zeigt: Im Schnitt werden sie 15-mal pro Stunde unterbrochen, alle vier Minuten. Die vermeintliche Lösung heißt Multitasking. Doch jemandem im Gespräch zuzuhören und gleichzeitig eine E-Mail zu schreiben, geht meistens nicht. Das Ergebnis: Ich brauche länger, weil ich nirgendwo richtig bei der Sache bin, es passieren Fehler, mein Stresslevel steigt. Der Ausweg aus dem Hamsterrad: im Laufe der Woche bewusst eine Fokuszeit einbauen. Ein Ort, an dem ich ungestört arbeiten kann – das Homeoffice eignet sich gut, dann aber bitte Smartphone und E-Mails aus. Eine Sache zu Ende denken, 60 bis 90 Minuten. Auf die Arbeitszeit gesehen ist das Mikro. Aber es verändert etwas.
  4. Sich der Beschäftigung entziehen. Die ersten drei Punkte helfen durch den Alltag, dauerhaft reichen sie aber nicht immer. Bernhard von Clairvaux schreibt im 12. Jahrhundert sinngemäß an Papst Eugen III.: „Es ist viel klüger, du entziehst dich von Zeit zu Zeit deiner Beschäftigung, als dass sie dich nach und nach an einen Punkt zieht, an dem dein Herz hart wird.“ Gemeint ist: Unter dauerhaftem Druck geraten wir leicht in einen Reaktionsmodus und reagieren emotionaler oder schärfer, als wir eigentlich möchten. Deshalb braucht es Zeiten, in denen wir aus dem Alltag aussteigen, Abstand gewinnen und unser eigenes Tun reflektieren: Was läuft hier gerade? Und muss ich vielleicht etwas grundsätzlich anders machen?

Drei Mikropausen im Team

Wer Verantwortung für ein Team oder einen Bereich trägt, kann auch dort ganz bewusst Fokus schaffen.

  1. Check-in und Check-out im Meeting. Meetings nicht einfach beginnen lassen. Eine Minute Stille hilft, anzukommen und den Fokus neu auszurichten. Alternativ fragt sich jeder kurz: Was ist mir heute in diesem Meeting besonders wichtig? So gehen alle bewusster in das Gespräch. Und im Check-out: Wie war das Meeting? Wir tragen gemeinsam Verantwortung für das Miteinander. Eine Minute auf die Gesamtzeit gesehen und eine wirkungsvolle Mikropause.
  2. Der monatliche Blick aufs Ganze. Wochenmeetings sind meist vom operativen Alltag gefüllt. Deshalb lohnt es sich, einmal im Monat bewusst den Fokus zu wechseln und auf die übergeordneten Themen zu schauen: Wie gut sind wir an unseren Zielen und Projekten dran? Was ist neu hinzugekommen? Müssen wir etwas anders oder neu priorisieren? Dieser regelmäßige Blick aufs Ganze hilft, Wichtiges im Blick zu behalten und sich nicht nur durch den Alltag zu wurschteln.
  3. 1% der Jahresarbeitszeit für Perspektive. Bei rund 220 Arbeitstagen sind das zwei bis drei Tage im Jahr. Aufs Jahr gesehen wenig, aber mit großer Wirkung: Das Führungsteam zieht sich zu Strategietagen zurück und nimmt eine Standortbestimmung vor. Wo stehen wir, und worauf wollen wir uns in der nächsten Zeit konzentrieren? Unterjährig hilft ein weiterer Tag, den Kurs zu überprüfen. Wichtig ist, dafür bewusst aus dem Arbeitsalltag herauszugehen.

Für eine Standortbestimmung kann eine SWOT-Analyse dienen oder die Standortbestimmung Unternehmensführung von Element Führung, ein Reifegradmodell entlang des Betriebssystem für Führung – lead/OS. Der Blick richtet sich dabei auch auf Themen, die im operativen Alltag leicht übersehen werden, für die Entwicklung der Organisation aber strategisch bedeutsam sind.

Kleine, klare, konsequente Schritte

Große Wirkung entsteht selten durch mächtige Programme. Sehr häufig entsteht sie durch kleine, klare, konsequente Schritte im Alltag. Experimentieren Sie damit.

Seien Sie sich aber auch bewusst: Viele kleine Mikropausen helfen, den Tag zu überstehen. Wenn grundsätzlich etwas im System nicht passt, lösen sie das nicht. Dann braucht es Zeiten, das Ganze mit Abstand anzuschauen und zu fragen: Wo kann ich gestalten, damit es grundsätzlich anders wird?

Wir wünschen Ihnen gutes Gelingen und den Mut, längerfristig dranzubleiben – und wenn es beim ersten Mal nicht klappt, einen anderen Weg zu wählen.

Sie möchten eine Standortbestimmung mit Ihrem Führungsteam durchführen? Sprechen Sie uns an.

Angaben zum Beitrag

Lars Stängle
Autor: Lars Stängle

Lars Stängle begleitet seit über 25 Jahren mittelständisch geprägte Organisationen aus Wirtschaft, Sozialwirtschaft und öffentlicher Verwaltung in Führungsfragen.

Sein Ziel ist die langfristig gesunde Entwicklung von Menschen und Organisationen. Er stärkt die Veränderungskompetenz in Organisationen, damit diese wirksam mit Komplexität und wachsender Veränderungsgeschwindigkeit umgehen.

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